Sophie Rutke aus der Klasse 24b hat sich für das Landesfinale von „Jugend debattiert“ in der Bremischen Bürgerschaft am 20.3. qualifiziert. Wer bei diesem Wettbewerb erfolgreich sein will, braucht mehr als nur eine Meinung: Man muss sich gründlich vorbereiten, ruhig bleiben und auch dann überzeugend sprechen, wenn man eine Position vertreten muss, die man privat vielleicht gar nicht teilt. Im Gespräch wird deutlich, wie viel Einsatz, Lernbereitschaft und persönliche Entwicklung hinter Sophies Erfolg stehen.

Als sie erfahren hat, dass sie im Landesfinale steht, war die Freude groß. Gleichzeitig kam der Erfolg für sie nicht selbstverständlich. „Ich habe mich auf jeden Fall gefreut“, sagt sie, fügt aber auch hinzu: „Ich habe es nicht unbedingt erwartet, weil ich eine starke Konkurrenz hatte.“ Gerade diese Mischung aus Überraschung und Freude macht deutlich, wie viel ihr die Qualifikation bedeutet.

Zum Debattieren kam Sophie schon in der neunten Klasse. Damals wurde das Thema im Deutschunterricht behandelt, und seitdem ist sie dabei. Besonders schön war für sie, dass sie den Wettbewerb nicht allein entdeckt hat: „Das war dann auch so ein Ding, was ich mit meiner besten Freundin immer gemacht habe.“ Neben diesem gemeinsamen Erlebnis spielte aber auch das inhaltliche Interesse eine große Rolle. Sophie betont, dass sie sich gern „über neue politische Themen und Debatten“ informiert und sich damit auseinandersetzt.

Auf Debatten bereitet sie sich systematisch vor. Zunächst schaut sie sich die aktuelle und vor allem die rechtliche Lage zu einer Streitfrage an. Danach arbeitet sie heraus, welches Ziel hinter der Debattenfrage steht und wie dieses Ziel erreicht werden könnte. Erst dann sammelt sie Pro- und Kontraargumente. So entsteht eine fundierte Grundlage, die ihr Sicherheit gibt.

Eine klassische Geheimstrategie gegen Nervosität hat Sophie nach eigener Aussage allerdings nicht. Stattdessen beschreibt sie ihre Haltung sehr direkt: „Nein, tatsächlich nicht. Das ist eher so ein ,Augen zu und durch‘.“ Entscheidend sei, dass man vorbereitet sei und dem eigenen Wissen vertraue. Selbst wenn es einmal einen kurzen Hänger gebe, könne man weiterarbeiten, weil man das Thema verstanden habe und die Debattenfrage „von mehreren Seiten beleuchten“ könne.

Besonders herausfordernd war für sie eine Debatte im Regionalfinale des vergangenen Jahres. Damals ging es um die Frage, ob Deutschland sich militärisch gegen die Taliban engagieren sollte. Sophie musste dabei die Position Pro 1 vertreten. Rückblickend sagt sie: „Das war eine sehr schwierige Position und auch eine sehr komplexe Frage.“ Hinzu kam, dass sie erst 16 Jahre alt war, nur eine Woche Vorbereitungszeit hatte und eine Haltung vertreten musste, „die man privat eigentlich nicht vertreten würde“. Gerade daran zeigt sich, dass Debattieren nicht einfach bedeutet, die eigene Meinung zu wiederholen, sondern sich ernsthaft mit verschiedenen Perspektiven auseinanderzusetzen.

Bei den Themen selbst hat Sophie keine einzelne Lieblingsfrage. Sie mag aber Debatten, zu denen es bereits viele öffentliche Diskussionen gibt. Der Grund ist naheliegend: „Dort gibt es einfach mehr Meinungen und Beiträge im Internet.“ Gleichzeitig weiß sie, dass mehr Material nicht automatisch bessere Informationen bedeutet. Man müsse auch dort „zwischen Fakten und Falschinformationen unterscheiden“.

Durch „Jugend debattiert“ hat Sophie nicht nur fachlich, sondern auch persönlich viel mitgenommen. Ein Seminar habe ihr geholfen, neue Taktiken zu lernen, „wie man besser diskutieren kann, sodass Gespräche zielführender werden“. Vor allem sei sie dadurch auch sicherer geworden: „Das hat mir auch geholfen, weniger nervös zu sein, wenn ich vor Menschen spreche.“

Noch deutlicher wird dieser persönliche Gewinn, wenn Sophie über ihre Entwicklung spricht. Sie sagt: „Ich kann jetzt viel selbstbewusster vor Menschen sprechen“ und auch außerhalb des Wettbewerbs ihre Meinung äußern, ohne Angst davor zu haben, was andere denken. Außerdem habe sie gelernt, dass unterschiedliche Meinungen normal sind und Diskussionen gerade dadurch spannend werden. Nicht zuletzt seien durch „Jugend debattiert“ sogar neue Freundschaften entstanden und alte Kontakte wieder enger geworden.

Ein besonders wichtiger Impuls kam für Sophie aus einem Seminar: das BBB-Prinzip. Dahinter steckt die Formel „Behauptung, Begründung, Beispiel“. Dieses Prinzip hilft dabei, Argumente klar und nachvollziehbar aufzubauen, statt sie unnötig kompliziert werden zu lassen.

Für ihre Zukunft im Wettbewerb hat Sophie ein klares Ziel. Sie möchte so weit kommen, wie es geht. Der Ehrgeiz ist mit dem bisherigen Erfolg noch einmal gewachsen. Besonders reizvoll wäre für sie der Weg nach Berlin, „besonders weil es mein letztes Jahr ist“.

Auch beruflich kann sie sich vorstellen, später etwas mit Politik oder Kommunikation zu machen. Durch „Jugend debattiert“ habe sie gemerkt, „dass meine Stärken im Sprechen liegen“ und dass sie gut mit ihrer Stimme arbeiten könne. Ganz festlegen möchte sie sich aber noch nicht, weil sie sich auch für andere Studiengänge und Berufe interessiert.

Anderen Jugendlichen macht Sophie Mut, sich nicht zu sehr unter Druck zu setzen. „Man sollte sich nicht zu viel Druck machen, wenn man vor anderen spricht“, sagt sie. Viele hätten Angst vor der Meinung anderer Schüler, doch diese Angst sei meist unbegründet. Ihrer Erfahrung nach bekommt man eher positives Feedback, und auch die Jury formuliere ihre Rückmeldungen konstruktiv. Entscheidend sei am Ende oft schon, dass man sich überhaupt traut, mitzumachen.

Sophies Weg ins Landesfinale zeigt deshalb nicht nur, wie spannend Debatten sein können. Er zeigt auch, dass man durch solche Wettbewerbe sicherer, selbstbewusster und offener für andere Perspektiven werden kann. Oder, um es mit Sophies eigener Haltung zu sagen: „Augen zu und durch.“

Von Paul Binder und Ömer Tülemen (24b)