von: Suwaiba
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Weaponized Incompetence (strategische Inkompetenz) Gibt es das wirklich?
Wie der Name schon sagt, ist dies eine Strategie, um Verantwortung zu vermeiden. Menschen tun so, als wären sie inkompetent oder unfähig, eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen. Doch wieso sollte man so tun, als wäre man „unfähig, inkompetent“? Ganz einfach,Ziel ist: Jemand anders soll die Arbeit unternehmen. Die strategische Inkompetenz hat vor allem im englischsprachigen Raum Aufmerksamkeit geweckt(weaponized incompetence). Die Strategie, bestimmte Aufgaben auf andere abzuwälzen, findet besonders in Beziehungen statt, jedoch findet man dieses Phänomen auch in Arbeitsplätzen, unter Freunden oder in der Familie.
Nun, um dies mit einem Alltagsbeispiel einfacher darzustellen: Stell dir vor, du bist in einer Partnerschaft und bittest deinen Partner/in, die Wäsche zu machen, jedoch anstatt dies zu tun, wirkt dein Partner/in komplett überfordert und bombardiert dich mit Fragen. Sowie: „Welches Waschmittel?“, oder „welches Programm?“, auch nachdem diese Fragen beantwortet wurden, hört die Person nicht auf. Was passiert? Ganz genau, man gibt auf und macht die Wäsche einfach selber und man denkt vielleicht auch nicht in der Zukunft daran, die Person nochmal zu fragen. Vorerst scheint dies vielleicht harmlos, jedoch führt dies zu einer ungleichen Arbeitsverteilung und ist unfair. Nach mehr und mehr Versuchen wird eine kleine Last zu einem Berg. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsplanung (DIW) zeigt beispielsweise, dass Frauen auch an erwerbsfreien Tagen wie Sonn- oder Feiertagen viel zu viel Arbeit im Haushalt erledigen. Hausarbeit und Sorgearbeit werden also oft auf Frauen abgewälzt – und das teilweise mithilfe der strategischen Inkompetenz ihres Partners. Man kann strategische Inkompetenz an verschiedenen Faktoren erkennen, ein großer Faktor ist, dass die Person immer und immer wieder die gleichen Fehler macht und auch zeigt, dass sie nicht daraus lernen will. Dies tun sie, damit die andere Person denkt, dass sie komplett unfähig ist und die Person auch nie wieder nach dieser Aufgabe fragt. Ein zweiter Punkt ist, wenn die Person passiv-aggressiv reagiert oder generell eher abwertend. Doch was man beachten sollte, ist, dass es zwei Arten von Personen gibt, die diese Strategie ausführen. Einerseits gibt es Personen, die das bewusst tun, doch andererseits gibt es auch Personen, die dieses Verhaltensmuster unbewusst ausüben. Grund dafür kann Kindheitstrauma sein, dass die Person Angst hat, dass sie nicht die richtigen Kompetenzen dafür besitzt. Sie können dies auch unbewusst in ihrer Kindheit oder Jugend erlernt haben, deshalb meint nicht jede Person, was Böses, wenn sie vielleicht unbewusst diese Strategie einsetzt. Eine Aussage von einem Journalisten beschreibt perfekt das Ziel der strategischen Inkompetenz. „Bei der strategischen Inkompetenz geht es nicht um eine Strategie, die scheitert, sondern um ein Scheitern, das erfolgreich ist“ (Jared Sandberg), mit dieser Aussage ist gemeint, dass wenn eine Person mit dieser Strategie zeigt, dass sie eine Sache nicht kann, und die andere Person dies glaubt, dass die Strategie gelungen ist. Natürlich tritt die strategische Inkompetenz nicht nur bei Männern auf, jedoch eher häufiger. Ein Beispiel dafür ist, dass das Scheitern von zum Beispiel Vätern oft im Internet glorifiziert wird. Zum Beispiel gibt es Memes, wo der Vater eine Zwiebel statt von einem Apfel, deren Kind zur Schule eingepackt und oft wird dieses Verhalten als „Dad fail“ beschrieben und darüber werden Memes gemacht. Mit dieser Art von Glorifikation wird das stereotypische „Mütter sollten sich um die Kinder eher kümmern“ verstärkt. Jedoch steckt einfach oft die strategische Inkompetenz dahinter und nicht wirklich, dass die Männer „dumm“ oder „inkompetent“ in dieser Situation sind. Wenn man bemerkt, dass eine Person im Umfeld dieses Verhalten ausübt, was kann man dagegen machen? Da gibt es verschiedene Möglichkeiten, einer der effektivsten ist es, das Verhalten sofort anzusprechen. Wenn man bemerkt, dass die Person gegenüber dir absichtlich diese Taktik anwendet, konfrontiere sie, man kann sowas sagen wie: „Ich weiß, du kannst das eigentlich“ oder „Ich weiß du tust dies gerade extra, um Verantwortung zu vermeiden“. Eine andere Methode wäre, eine Art „To-do“-Liste anzufertigen, damit es überhaupt nicht mal zu einer ungerechten Arbeitsverteilung kommt. Außerdem kann je nach Art und Häufigkeit der strategischen Inkompetent man auch zur Therapie gehen, um was gegen dieses Verhaltensmuster zu tun. Zuletzt sollte man jedoch wissen, dass es ein Unterschied zwischen strategischer Inkompetenz und „einfach nicht wissen“ gibt. Dies kann man leicht erkennen, wenn eine Person „Basic“ Aufgaben nicht machen kann, und ständig Ausreden sucht und diese Fähigkeit nicht mal erlernen will, handelt es sich vermutlich um die strategische Inkompetenz. Jedoch wenn eine Person mit größeren Aufgaben überfordert ist, welche nicht jede Person kann, wie zum Beispiel einen Autoreifen wechseln, dann handelt es sich vermutlich nicht um diese Taktik.
Zusammengefasst kann man sagen, dass die strategische Inkompetenz ein bewusstes, aber auch ein unbewusstes Verhaltensmuster ist, was zu einer ungerechten Arbeitsverteilung führt und Beziehungen schaden kann. Dies können Arbeitsbeziehungen sein, Freundschaften, aber auch Beziehungen.
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