Unsere Reporterin Thessa war selbst schon Teilnehmerin bei „Jugend forscht“. Dieses Jahr hat sie den Forscherinnen der Lerchenstraße über die Schulter geschaut.

Es war schon ein bisschen anders als ich es von meinen eigenen Teilnahmen an Jugend forscht aus früheren Jahren kannte. Während die vielen Stunden, die wir noch in einem sporadisch geheizten Zelt auf dem Airbus-Gelände verbracht hatten, wohl so schnell nicht aus meinem Gehirn verschwinden werden, stand ich nun in einem großen, hellen und vor allem gut gewärmten Raum.
Die Bremenhalle. Normalerweise ein Luft- und Raumfahrtmuseum, war sie am 23. und 24.03.2017 Aufenthaltsort für mehr als 50 junge kluge Köpfe, mit ihren insgesamt 28 Forschungsarbeiten.

Mein Blick schweifte durch den Raum. Es war nicht nur die Halle, die anders war; auch die allgemeine Ausstattung des Wettbewerbs war in den letzten Jahren offenbar mit einem Upgrade versehen worden. Keine improvisierten Namensschilder mehr, die klein in einer Ecke hingen – stattdessen große Plakate, auf denen Thema, Namen und Forschungsbereich sofort zu erkennen waren. Statt spärlicher Deckenbeleuchtung jetzt an jedem Stand zwei kleine Scheinwerfer. Und das Buffet hatte man durch kleine Lunchpakete in Pappboxen ersetzt.

Ich musste das Ganze einen Augenblick auf mich wirken lassen, bevor ich mich bereit dazu fühlte, jemanden anzusprechen.

„Tschuldigung, Sie wissen nicht zufällig, wo ich eine gewisse Frau Lukasczyk finde?“, fragte ich eine junge Frau, die sowieso gerade an mir vorbeilief.

„Nee, das tut mir leid. Hast du dich schon mal umgesehen? Ansonsten vielleicht auf der Dachterrasse.“ Sie deutete zur Seite, wo eine große Fensterfront den Blick auf die von ihr angesprochene Terrasse freigab. Sie war mehrere Quadratmeter groß, sonnenbeschienen und bot einen faszinierenden Ausblick auf die Start- und Landebahnen des Flughafens.

Etwas perplex nickte ich. Ah ja. Die Dachterrasse. Natürlich.

Ich bedankte mich, wie es sich gehört und fasste den Entschluss, den Stand unserer Mitschüler einfach auf eigene Faust aufzusuchen. So schwierig konnte das ja nicht sein, standen die Stände schließlich schön ordentlich in Reih und Glied. Auch etwas, das ich noch anders erlebt hatte.

Und während ich also an verschiedensten Projektarbeiten vorbei schlenderte, fühlte ich mich so langsam doch wieder zurückversetzt zu früheren Wettbewerben. Menschen, die durcheinander liefen; selbstgestaltete Plakate, die an den Wänden hingen; Jung und Alt standen in regem Austausch miteinander. An jeder Ecke wurde geredet. Über die Projekte, na klar, Fragen, Lösungen, eigene Ideen und Erfindungen. Aber auch über die coolen Geburtstagsgeschenke von letzter Woche oder die nervigen Klausuren, die in der Schule anstehen. Und überall lag diese Stimmung in der Luft, die mich schon immer zu begeistern wusste: Eine Mischung aus Vorfreude, Interesse, Spaß und einem Hauch Nervosität.

Und noch etwas war gleich geblieben: Die Vielfältigkeit der unterschiedlichen Forschungsarbeiten, trotz der eingeschränkten Zahl der Teilnehmer. Ich lief an intelligenten Fahrradcomputern vorbei, ebenso wie an Überwasserlaufschuhen oder einem Spray, das gegen das Beschlagen der Brille helfen sollte. Wem das nicht exotisch genug war, der konnte sich derweil an Projekten wie dem „Abwägungsverhalten von Physarum polycenalum in binären Entscheidungsmodellen“ erfreuen, mit dem sich Tobias Henke und Henrik Feuersänger aus dem Alten Gymnasium auseinandergesetzt haben.

Viele der Themen hatten auch mit Umwelt zu tun und mit der Frage, was wir eigentlich tun können, um sie zu schützen. Da wurde dann auch schon Fischgülle als Energiequelle in Betracht gezogen, Müllfilteranlagen für Flüsse gebaut – oder eben recycelte Federmappen hergestellt. So, wie es Dilara Acar und Badem Bardosana aus unserer Schule gemacht haben, was sie mir erzählten, als ich endlich auch an ihrem Stand angelangt war.

Beide gehen in die 8. Klasse und haben September letzten Jahres an ihrem Projekt zu arbeiten begonnen. Davor haben sie sich mit Umweltgefahren durch Plastikmüll und dem Aussterben von Tiere beschäftigt. Ziemlich schnell wurde ihnen klar, wie viel Plastik in unserer heutigen Zeit verwendet wird, ohne wirklich auf die Folgen dessen zu achten.

„Das wird dann weg geschmissen und weil es sich zu langsam abbaut, muss man es verbrennen. Dadurch entsteht wieder CO2“, erklären sie mir. Wohlwissend, dass Kohlenstoffdioxid immer noch zu den Treibhausgasen zählt, die den Klimawandel deutlich vorantreiben.

Die beiden Mädchen waren überzeugt davon, das irgendwie verhindern, zumindest jedoch einschränken zu können. Als sie dann beim letzten Wettbewerb von Jugend forscht selbst hergestellte Turnbeutel entdeckten, war die Idee geboren: Selbstgemachte Federmappen aus scheinbar unbrauchbarem Plastikmüll. Egal ob Milka, nimm2 oder gelber Sack – mithilfe von Kleber, Nähmaschine und Häkelnadeln entstanden daraus mit einem Mal Federmappen, die nicht nur durch ihren Nutzen bestachen, sondern sogar optisch was hermachten.

Inspiration haben sich die beiden dafür vor allem aus dem Internet geholt. Trotzdem war das Ganze gar nicht so einfach, wie sie am Anfang gedacht hatten. Man musste darauf achten, mit stabilen Plastikverpackungen zu arbeiten, damit die Federmappen auch etwas aushielten, allerdings musste das Material trotzdem gut zu verarbeiten sein.

Ein Aufwand, der sich aber gelohnt hat. Nicht nur, dass sie mit ihrer Idee auch ihre Mitschüler begeistern konnten; beim Landeswettbewerb konnten sie damit erfolgreich dritten Platz belegen.

Die ganze Redaktion gratuliert zu dieser Ehre und wünscht noch viel Glück für alle weiteren Projekte!

Weitere Fotos vom Wettbewerb finden sich übrigens unter hier (https://www.jufo-bremen.de/mediathek/medien/impressionen-landeswettbewerb-2017.html) und hier (https://www.jufo-bremen.de/mediathek/medien/standbilder-landeswettbewerb-2017.html) finden.

Und wer jetzt selber Lust auf Forschen bekommen hat, der kann sich ja mal bei Frau Lukasczyk melden. Nächstes Jahr geht der Wettbewerb schließlich in eine neue Runde. Und wer weiß, vielleicht schreiben wir dann auch einen Artikel über euch!
Thessa König

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